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  • AutorenbildSamarraLeFay

Das Buch - Teil 8

Am Rande des Dorfplatzes saß Loren im Mondschatten einer Linde und beobachtete den Eingang der Taverne. Durch die gläsernen Fenster konnte sie deutlich die Gäste im Innern erkennen. Dimitri eilte nach draußen und ließ seinen Blick über den Dorfplatz schweifen. Kaum hatte er Loren erspäht, preschte er zu ihr.

„Was hat sie erzählt?“

„Nur zusammenhangslose Wortfetzen. Ich habe ihr eine magische Beere gegeben, die sie heilt und satt macht. Ich glaube, sie hat seit Tagen nichts mehr gegessen. Danach hat Edvard sie in den Schlaf gesungen.“ Sie schwiegen und lauschten dem gedämpften Treiben. „Meinst du, an Ellas Worten ist etwas dran?“

Dem Blick gegen den Himmel gerichtet antwortete Loren: „Ellas Angst war echt. Es wäre dämlich, eine Warnung nicht ernst zu nehmen, egal, von wem sie kommt.“

„Ich habe nachgedacht.“

„Oh nein, schon wieder?“

Dimitri knuffte sie. „Ich meine, wenn ich ein verrückter Nekromant wäre und ein Buch schreiben würde, dann müsste das doch einen Zweck haben, oder?"

Loren nickte. „Vielleicht fährt sein Geist in den Körper des neuen Besitzers? Das würde erklären, wie sich Ellas Aussehen und Persönlichkeit gewandelt haben.“

„Findest du, Ellas Persönlichkeit hat sich gewandelt? Ihr Antrieb war, etwas Gutes zu tun, und nicht, selbst eine Nekromantin zu werden.“

„Du vergisst, dass sie ihre Pflichten vernachlässigt hat und für rationale Argumente nicht mehr zugänglich war.“

Dimitri fuhr sich über seine Bartstoppeln. Ruckartig sprang er auf. Er schrie: „Der Magier ist bei Ella.“

Loren zögerte keine Minute und sprang ihm hinterher. Am Fuss der Treppe angekommen presste sie hervor: „Woher weißt du, dass er bei ihr ist?“

„Ich habe Tinzel dort gelassen.“

„Edvard wird ihn bestimmt aufhalten.“

„Nein, der Magier hat ihn überrumpelt. Er ist ausgeknockt.“

„Wie ist er hineingekommen?“

Dimitri beneidete Loren um ihre Kondition. „Teleportiert“, keuchte er.

Loren überholte Dimitri, rannte mit voller Wucht gegen die Tür und hob sie aus den Angeln. Mit gezücktem Schwert überblickte sie die Situation.

Über Ella beugte sich eine wandelnde Leiche, mit bleicher, zerfressener Haut und Maden, die von einer Wunde in die andere krochen. Statt wirren Haaren schimmerte auf Silvinars Kopf eine Glatze. Seine Augenhöhlen waren eingefallen, so dass sie nicht viel mehr als zwei schwarze Löcher waren. Der böse Magier.

Dimitri kam hinter Loren hergestolpert. „Worauf wartest du? Greif an.“ Sein Blick huschte nzu seinem am Boden zusammengekrümmten Freund.

„Ich ... kann ... nicht!“, japste Loren.

Die Leiche grinste zufrieden und drehte ihnen den Rücken zu.

Eine Druckwelle warf Dimitri und Loren zurück. Der Magier ritzte mit seinen scharfen Klauen Runen in Ellas Arme. Schwarzes Blut quoll aus den Wunden.

Liegend griff Dimitri nach seiner Schleuder und warf Edvard einen Stein an den Kopf.

„Aua!“ Edvard rieb sich den Kopf. Seine Augen weiteten sich vor Schreck beim Anblick des Magiers. „Was ...?“ Edvard runzelte die Stirn „... ist sein Fokus, von dem er seine Magie holt?“

Gegen ihre magischen Fesseln ankämpfend keuchte Loren: „Das Buch.“

„Waschweiberei!“ Der Magier kicherte. „Das Buch soll mein Fokus sein?“ Er ließ es in die Luft schweben, griff danach und blätterte darin. „Es beweist eure Dummheit, dass ihr glaubt, das Buch könnte noch einen Nutzen haben.“ Er warf es in Edvards Richtung. In der Luft fing es Feuer, drehte sich um die eigene Achse und wuchs zu einem Feuerball an. Edvard sprang zur Seite und der Ball schlug donnernd in die Wand ein. Er schwang seine Laute und zischte: „Lass Ella in Ruhe.“ Mit einem flüchtigen Blick zur Seite flüsterte er: „Dimitri … Tinzel!“

Einen Moment lang war Zweifel in Dimitris Blick zu erkennen, dann ballte er seine Hände zu Fäusten und gab einen scharfen Pfeifton von sich. Der Spatz flog von seinem Versteck über dem Kamin auf seine Schultern.

„Oho, ich zittere bereits vor Angst. Ein Vögelchen“, kicherte der Magier, „mehr habt ihr nicht zu bieten?“

Der Spatz flog los. Der Magier feuerte Energiestöße ab, verfehlte aber das winzige Ziel. Im Sturzflug pickte Tinzel auf die Stirn des Magiers ein.

Loren nutzte den Moment der Ablenkung und sprengte ihre magischen Ketten. Im nächsten Moment stürzte sie sich mit ihrem Schwert auf den Magier und schlug ihm den Kopf ab.


Fortsetzung folgt …



Das Buch des bösen Magiers Silvinar, Symbolbild

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