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  • AutorenbildSamarraLeFay

Tagebuch von Arilia 5

Aktualisiert: 18. März 2022

Achtundzwanzigster Zuktur


Geschätztes Tagebuch

Seit dem letzten Eintrag sind wieder ein paar Tage vergangen. An dem Tag als ich die Nüsse und Pilze fand habe ich Spuren eines grossen Tiers. Ich fürchtete es könnten Spuren eines Bären, oder noch schlimmer, eines Eulenbären sein. Ich wollte vermeiden diesem Tier zu begegen, daher bin ich in eine andere Richtung gewandert.

Zum Fluch des großen Alten geriet ich vom Regen in die Traufe. Dem Bären oder Eulenbären lief ich glücklicherweise nicht über den Weg, aber ich war auf das Lager eines Orks und seines unheilvollen Reittiers gestossen. Beide sahen furchterregend aus und stanken, wie man es von einem Ork nicht anders erwarten konnte, bestialisch. Der Ork grunzte Wildschwein ähnlich vor sich hin und seine Zähne waren länger als mein Dolch. Sein Reittier kaute am Kadaver eines Rehs. Sein Kopf war in Blut getränkt. Abgestossen wandte ich mich ab, erinnerte ich mich nur zu deutlich an das Reh, dass ich vor einigen Tagen begraben hatte.

Ein Ork in Malbalirans Wäldern bedeutet sicherlich nichts Gutes. Aber was kann ein einzelner Ork schon ausrichten? Ich wollte mich schon abwenden und ihm einfach aus dem Weg gehen, aber dann erinnerte ich mich an einen Spruch meiner Tante: „Wo eine Ratte ist, ist irgendwo auch ein Nest.“ So leise ich konnte habe ich mich vom Lager davongeschlichen. Ich rannte bestimmt eine Stunde bevor ich mir einen Baum für die Nacht suchte. Ich bin so hoch auf den Baum geklettert wie ich konnte.

Am nächsten Morgen bin ich in der Baumkrone aufgewacht. Ich hatte einen der höchsten Bäume in der Umgebung erwischt und konnte die ganze Gegend überblicken. Wie unglaublich gross die Welt doch ist. Früher dachte ich, mein Zuhause sei gross. Aber die Welt? Die Welt ist gigantisch. Und irgendwo dort unten war ein Ork mit seiner Bestie. In Richtung der Sonne musste meine ehemalige Heimat liegen. Ich kaute lange auf meinen Lippen. Ich weiss, ich sollte das nicht machen, aber wenn ich nachdenke, passiert das hin und wieder.

Was wenn es tatsächlich irgendwo ein Orknest gab? Das könnte mein Todesurteil bedeuten, oder Schlimmeres. Insbesondere wenn ich nichts von diesem Nest wusste. Ich muss verhindern, dass ich wieder über Orks stolpere oder gar von einem entdeckt werde.

Ich sah einen Hügel. Von diesem aus musste man die ganze Gegend weit überblicken können. Wenn es irgendwo ein Nest gab, dann würde ich in der Nacht die Feuer sehen können und ich wüsste, welche Teile des Waldes ich zukünftig meiden muss. Sofern sie nicht in Höhlen hausten.

Mit dieser Erkenntnis kletterte ich vom Baum herunter und machte mich auf den Weg zum Hügel. Vom Baum aus schien der Hügel nicht weit entfernt zu sein, trotzdem war ich den ganzen Tag unterwegs und der Hügel wollte und wollte einfach nicht näher kommen. Erst am späten Nachmittag erreichte ich den Fuss des Hügels und der Aufstieg beanspruchte weitere Stunden. Der Aufstieg war mühselig. Besser gesagt die ganze Unterfangen war mühselig. Aber es hatte sich gelohnt. Ich konnte den ganzen Wald bis hin zum Gebirge im Norden überblicken. Ich sah Malbaliran und mein Herz schmerzte. Wie lange war es her, seit ich das letzte Mal in einem warmen Bett geschlafen hatte?

Die Nacht brach ein und ich sah im Wald tausende Lichter brennen. Die Lichter waren noch weit entfernt aber es waren zu viele. Viel zu viele. Das war kein Nest, das konnte kein Nest sein. Niemand hätte so nahe an Malbaliran eine zweite Ortschaft unbemerkt aufbauen können. Das konnte nur eines bedeuten. Eine Armee! Eine Armee, die Richtung Malbaliran marschierte.

Ich habe die halbe Nacht nachgedacht, was ich machen sollte. Alleine war ich schneller als eine Armee. Armeen sind langsam, träge und sie verschwenden viel Zeit mit jede Nacht ein Lager aufbauen und in der Nacht wieder abbauen. Der Ork den ich gesehen habe, musste ein Späher gewesen sein. Was wenn es mehr Späher im Wald gab? Gegen diese Reittiere hatte ich keine Chance. Falls ich nach Malbaliran gehen würde um die Stadt zu warnen, würden sie mir überhaupt glauben?

Aber konnte ich mit mir leben und das unversucht lassen?

Konnte ich meine Familie einfach so ihrem Schicksal überlassen? Was würde meine Familie mit mir machen wenn sie mich wiedersehen? Verstossen? Bestrafen? Würden sie sich freuen?

Und die Stadtbewohner? Würden sie mir glauben? Es ist nicht so, dass ich bei den Menschen Freunde hätte, aber das ist wohl weniger ihr Fehler als der meiner Familie.

Malbaliran ist einige Tagesreisen von hier entfernt. Gab es für mich ein entkommen wenn ich zurückkehrte?

Ich wog all meine Argumenten Befürchtungen gegeneinander ab. Aber, ich wusste, ich konnte nicht mit mir leben, wenn ich die Stadt ihrem Schicksal überließ. Ich musste sie warnen. Ich entschied mich, unverzüglich nach Malbaliran aufzubrechen. Ich konnte es nicht unversucht lassen die Stadt wenigstens zu warnen. Ich bin die ganze Nacht und den ganzen Tag geeilt. Jetzt ruhe ich mich ein paar Stunden auf bevor ich am nächsten Morgen weiter eile.



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