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  • AutorenbildSamarraLeFay

Thokks Tagebuch 2

Aktualisiert: 15. Dez. 2022

Diese Geschichte ist nur schlüssig wenn du die vorrangigen Geschichten von Thokk und Arilia gelesen hast.


Siebzehnter Zuktur im zwanzigsten Jahr des Thokks

Ich habe meinen eigenen Woger erhalten. Also er gehört immer noch der Armee, aber ich darf ihn reiten. Leider muss ich ihn auch füttern. Weißt du wie viel so ein Woger frisst? Mindestens ein Reh pro Tag. So viel Proviant konnte ich natürlich unmöglich auf ihn laden. Also musste ich gestern Abend und heute Abend jagen gehen. Das beansprucht ziemlich viel Zeit. Rehe stehen auch nicht gerade neben jedem Baum und warten auf ihren Tod. Einen Vorteil hat es, ich kriege jeden Abend frisches Fleisch.

Einige meiner Brüder würden sagen, dass ich den Woger einfach sein Futter selber beschaffen lassen sollte. Aber wer sagt mir, dass er wieder zu mir zurückkommt? Ich fürchte, er würde viel eher zur Armee zurückkehren, als zu mir. Und was würden die Anderen denn von mir denken? Dass ich nicht mal so ein Mistvieh unter Kontrolle hätte. Nein! Das lässt meine Ehre nicht zu. Auch wenn ich dieses Vieh von ganzem Herzen hasse.

Er stinkt. Er ist widerspenstig. Er sabbert wie eine Regenwolke. Mehrmals versuchte das Biest mich vom Rücken zu schütteln. Als ich ihm einmal den Rücken zugedreht habe, hätte er mich beinahe verspeist. Zum Glück trug ich mein Schild auf dem Rücken, sonst hätten seine Klauen mich aufgeschlitzt.

Kurz, ich würde ihn gerne töten und zu Fuß weitergehen, aber dann wäre ich viel zu langsam. Also bin ich vorerst von ihm abhängig.

Aber ich räche mich auf meine Weise. Wogers haben eigentlich keine Namen. Meiner jetzt schon. Ich nenne ihn Hündchen. Nur um ihn zu ärgern. Und es ärgert ihn sehr. Jedesmal wenn ich sage „Vorwärts, Hündchen! Schneller, Hündchen!“, bockt er wie ein Fohlen. Seinem unzufriedenen Knurren entnehme ich, dass er mich am Liebsten von seinem Rücken werfen und auf mir rumtrampeln würde, bis ich nur noch Matsch bin und dann meine Überreste vom Boden und seinen Tatzen lecken.


Hündchen und ich sind nach dem Erhalt des neuen Auftrags, losgeritten. Es ist unglaublich berauschend wie schnell man auf so einem Woger vorankommt. Die Welt zieht an einem vorbei wie in einem Traum. So ähnlich muss fliegen sein. Aber ich musste auf die harte Tour lernen im Wald den Kopf einzuziehen und mich so flach wie möglich auf Hündchens Rücken zu legen.

(Immer wenn ich Hündchen schreibe, flüstere ich es vor mich hin und Hündchen quittiert es mit seinem boshaften Knurren.)

Mein Auftrag? Dieser ist sehr einfach…. Aber vielleicht schreibe ich ihn erst nieder wenn ich ihn erfolgreich abgeschlossen habe



Neunzehnter Zuktur im zwanzigsten Jahr des Thokks

Ich habe meinen Auftrag erfolgreich abgeschlossen und kann mich auf den Rückweg machen. Irgendwie schade, aber ich freue mich auch wieder auf das Gegrunze meiner Kameraden



Zwanzigster Zuktur im zwanzigsten Jahr des Thokks

Ich habe jemanden gesehen. Sie war alleine im Wald. Ganz alleine. Ich würde ja gerne sagen eine kleine Waldelfe oder Dryade, aber sie sah aus wie ein Tiefling. Ich müsste mich schon stark irren um einen Tiefling mit einer Waldelfe zu verwechseln. Waldelfen sind grösser. Dryaden sind grüner. Sie war klein und lila.

Was macht sie wohl halb ausgehungert alleine im Wald? Ihre Wangenknochen stechen ungesund vor, und ihre Haare hängen strähnig herunter. Hat sie sich verlaufen? Alleine im Wald scheint sie jedenfalls nicht zurechtzukommen. Vielleicht ist sie auch wahnsinnig geworden und wurde verstossen. Sie führte offensichtlich Selbstgespräche.

Ich weiss schon was meine Brüder machen würden. Sie fangen und zu uns ins Lager schleppen. Und dann? Verhören und…

Dieses Schicksal wünsche ich niemanden.

Ich kannte meine Mutter nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie dieses Schicksal erleiden musste.

Hündchen schien mit mir einer Meinung zu sein. Anstatt zu knurren wedelte er nur still mit seinem Schwanz und beobachtete sie ebenso aufmerksam wie ich sie.

Ich folgte ihr. Unauffällig.

Wie unauffällig können ein Halbork und ein Woger schon sein? Naja, sie hat uns nicht bemerkt. Dementsprechend scheinbar sehr unauffällig. Vielleicht ist sie schon im Hungerdelirium.

Als es dämmerte kletterte sie wie ein Eichhörnchen einen Baum hinauf und band sich dort fest. Gar nicht so dumm, die Kleine.


Einundwanzigster Zuktur im zwanzigsten Jahr des Thokks

Sie hat von den Vogelbeeren gegessen. Ich habe es leider zu spät gesehen, sonst hätte ich eingegriffen. So wie der Strauch danach aussah, hat sie ziemlich viele davon gegessen. Vor Schmerzen gekrümmt liegt sie nun am Boden. Es dämmert gerade. Das Mädchen wird kaum dazu in der Lage sein sich in schützende Höhe zu bringen.

Hündchen und ich haben uns entschieden, diese Nacht über sie zu wachen und uns Morgen auf den Rückweg machen. Hündchen lässt sie gerade nicht mehr aus den Augen. Ich glaube alleine seine Anwesenheit verjagt auch nur die kleinste Fliege.



Zweiundwanzigster Zuktur im zwanzigsten Jahr des Thokks

Sie hat es überlebt. Sie kann wieder gehen und die Schmerzen sind offensichtlich vorbei. Ich wollte mich schon auf den Rückweg machen, aber Hündchen weigerte sich. Er hat ja schon recht, wenn das Mädchen nicht bald etwas isst, macht sie es nicht mehr lange. Ich habe mir schon überlegt auf sie zu zugehen und ihr zu helfen. Ihr zu erklären wie sie jagen kann, Fallen stellen, welche Beeren und Pflanzen sie essen kann. Aber die Gefahr, dass sie bei meinem Anblick vor Angst davonrennen würde und jemandem erzählt dass sie hier einen Ork gesehen hat, ist einfach zu gross. Ich darf meinen Auftrag nicht gefährden.

Hündchen schien zum gleichen Schluss gekommen zu sein. Ork und Woger sind einfach alles andere als vertrauenserweckend, sogar für einen Tiefling.

Also haben wir sie wieder in sicherem Abstand begleitet. Eigentlich ist nicht wirklich etwas passiert, aber sie zu beobachten ist unglaublich faszinierend. Sie ist so zerbrechlich und anmutig. Obwohl sie unglaublichen Hunger leiden muss, lächelt sie unentwegt. Oft bleibt sie stehen und erfreut sich an einer besonders schönen Blume. Jedesmal atmete ich erleichtert aus, wenn sie keine davon gegessen hatte. Die besonders schönen Blumen sind meist auch sehr giftig.

Hündchen und ich mussten heute wieder jagen gehen. Aber anstatt seine Beute zu essen, zog er das verletzte Reh unter den Baum des Mädchens. Er biss dem Reh in die Hinterläufe damit es nicht doch noch davon springen konnte. Ich glaube, er ließ das Reh absichtlich leben, damit es frisch bleibt.

Als Hündchen wieder zurück in unserem Versteck war, heulte er vor Freude wie ein Wolf. Ich habe ihm dann sein Reitgeschirr ausgezogen, damit er nochmals alleine jagen gehen konnte. Ich wusste, um des Mädchens Willen, würde er zurückkehren.

Das Reh liegt jetzt unter ihrem Ast. Sie wird es finden, wenn sie morgen runterklettert. Ich freue mich schon darauf, zu sehen, wie sie ihr Glück kaum fassen kann. Sie wird endlich satt sein. Sie wird tagelang von diesem Reh essen können.

Hündchen hat mich heute sehr überrascht und ich bin sehr stolz auf ihn. Vielleicht werden wir doch noch Freunde.


Dreiundwanzigster Zuktur im zwanzigsten Jahr des Thokks

Sie hat es begraben!!!! Das ganze Reh. Sie ist am verhungern und vergräbt einen saftigen Braten! Unangetastet. Wie undankbar! Und wie unendlich dumm muss man sein. Wahrscheinlich wurde sie genau deswegen von ihrem Stamm verstossen. Dummer kleiner Tiefling.


Dreiundwanzigster Zuktur im zwanzigsten Jahr des Thokks

Ich nochmals. Ich habe mich ein wenig beruhigt. Ich weiss noch immer nicht, wie sie das gute Fleisch einfach so begraben konnte. Vielleicht war es etwas religiöses. Eine andere Erklärung kann ich mir nicht geben.

Hündchen hat das Reh ausgegraben und verspeist.

Hündchen ist raus. Jetzt ist er es, der zurück will. Er hat die Geduld verloren. Ich kann ihn verstehen. Aber ich will noch nicht aufgeben.

Ich habe ihr nochmals einen toten Hasen unter den Baum gelegt. Irgendwas muss sie doch essen.

Dummerweise bin ich beim Davonschleichen an einem Ast hängen geblieben und mein Rationsbeutel ist gerissen . Ich habe einen ganzen Beutel voller Käse und Nüsse auf den Boden verteilt. Ich habe den guten Käse in Eile zusammengesammelt und das meiste meiner Nüssen. Hoffentlich findet sie die Nüsse nicht. Sonst muss ihr unweigerlich auffallen, dass jemand da war. Schließlich hat es keine passenden Bäume zu den Nüssen.


Vierundwanzigster Zuktur im zwanzigsten Jahr des Thokks

Sie hat auch den Hasen begraben. Am Liebsten würde ich sie schütteln. Wie kann man nur so dumm sein!

Dafür hat sie doch noch ein paar meiner Nüsse gefunden. Zum Glück war sie so hungrig, dass sie sich nicht wunderte, warum in dieser Jahreszeit und unter diesen Bäumen Nüsse am Boden lagen.

Jetzt sind wir beide zufrieden. Hündchen und ich werden uns nun auf den Rückweg machen. Ich hoffe, sie kommt nun ohne Hilfe zurecht. Und ich hoffe, sie läuft nicht der Armee in die Arme.





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