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  • AutorenbildSamarraLeFay

Die Anstalt - Teil 4

Aktualisiert: 24. Juli 2022


"David, ich bin es. Jules!“

Jules lauschte Davids tiefen Atemzügen und dachte an die unzähligen kostbaren Momente mit ihm. Sie erinnerte sich an die feinen Härchen auf seiner Hand, daran wie warm ihre Hand in seiner wurde. Wie sie es liebte in seinen strahlenden blauen Augen zu versinken. Jules schloss die Augen und kämpfte mit den Tränen. Sie musste sich aufs Wesentliche konzentrieren. Würde er ihr glauben? Wie könnte er?

Mit verzweifelter Stimme fragte David „Warum tust du das?“, er machte eine kurze Pause und holte dabei tief Luft eher er weiter sprach:„reicht es nicht, dass Jules Schluss gemacht hat. Musst du mich jetzt auch noch quälen? Wer bist du?“

Jenny hatte mit David Schluss gemacht? Jules konnte gar nicht verarbeiten was David sonst noch gesagt hatte. David glaubte sie hätte Schluss gemacht. Wie konnte er das glauben? Weil Jenny genau das mit ihm getan hatte. Aber war dies vielleicht besser, als zu wissen, dass er mit Jenny zusammen war und er sie für sie hielt? Trotzdem glaubte er, sie hätte Schluss gemacht. Er hielt es für endgültig. Sie hatte ihm sein Herz gebrochen. Wie konnte sie ihm nur erklären, dass Jules nicht gemacht hatte? Sie musste etwas sagen, ehe er auflegen und sie blockieren würde.

Ohne weiter darüber nachzudenken platzte Jules mit dem erstbesten Gedanken hinaus:„Dein erstes Haustier war eine Katze und hiess Tinkerbell, aber du nanntest sie immer Tinky.“

David keuchte erstaunt auf und fragte: „Woher weisst du das?“ Doch bereits beim Sprechen musste er sich die Antwort selbst gegeben haben und stellte bitter fest: „Jules hat dir bestimmt die Information gegeben. Warum? Sag mir endlich wer du bist.“

Leise aber eindringlich antworte sie; „Ich bin Jules. Die Person die mit dir Schluss gemacht hat, ist nicht Jules. David du musst mir glauben. Ich würde dir niemals diesen Schmerz zufügen.“ Jules konnte gegen Ende ihren flehenden Unterton nicht länger unterdrücken.

David flüsterte kaum hörbar: „Du hast mir diesen Schmerz zugefügt… Warum?“

Jules konnte förmlich vor sich sehen, wie Tränen in Davids Augen schimmerten. Wie er seinen Kopf hängen liess. Sie befürchtete, dass er demnächst auflegen würde, daher sprach sie eilig weiter: „Stell mir Fragen! Fragen die nur ich… Jules beantworten kann.“ Jules musste beim Reden einen Schluchzer unterdrücken.

„Das ist doch lächerlich!“, antwortete David resigniert.

Jules schwieg. Ja, es war tatsächlich lächerlich. Wie konnte sie nur hoffen, dass sich David tatsächlich auf dies einlassen würde. Doch sie wollte nicht aufgeben, solange er mit ihr telefonierte bestand Hoffnung: „Du kennst Jules seit fünf Jahren. Denk an die fünf Jahre zurück, glaubst du wirklich, dieser Mensch den du geliebt hast, der dich liebt oder liebte, wäre dazu fähig dir absichtlich zu Schaden?“

Es herrschte ein langes und erdrückendes Schweigen ehe David mit tonloser Stimme fragte: „Wie hiess deine erste Katze?“

„Ich hatte nie eine Katze“, antwortete Jules eifrig und innerlich frohlockend. David hat eine Frage gestellt. Er redete mit ihr. Er liess sich auf die Möglichkeit ein, zumindest schloss er sie nicht ganz aus.

„Warum sind Jules und ich nie zusammengezogen?“

„Warum schon?“ Jules hatte diese Unterhaltung unzählige Male mit David geführt. Eigentlich sprach nichts dagegen zusammenzuziehen, aber schlussendlich hatten sie den Schritt bis jetzt nicht gewagt. Es wär für beide das erste Mal gewesen mit jemandem zusammenzuziehen. Immer wenn jemand ihnen diese Frage gestellt hatte, hatten sie mit dieser ausweichenden Antwort gekontert.

Jules glaubte ein kleines Schmunzeln in Davids Stimme zu hören während er die nächste Frage stellte: „Welches ist mein Lieblingshorrorfilm?“

„Du magst keine Horrorfilme, aber wenn dann Halloween, die Alten, nicht die Neuen.“

„Wie heisst meine Mutter?“, fragte David weiter.

„Judith“, antworte Jules wieder wie aus der Pistole geschossen.

David setzte gerade an, die nächste Frage zu stellen, aber Jules unterbrach ihn: „David, ich weiss es wird keine Frage und keine Antwort geben, die dich restlos davon überzeugen wird, dass ich Jules bin. Aber ich… Bitte glaube mir ich hätte niemals mit dir Schluss gemacht. Du bist… du warst das Beste in meinem Leben.“ Jules schwieg. Sie wusste nicht was sie noch sagen konnte.

Heiser antwortete David: „Es wäre zu schön, wenn das wahr wäre.“

Jules hörte ein Rascheln in der Leitung. Es klickte. Erst als der monotone Ton aus dem Telefon klang, realisierte Jules, dass David das Gespräch beendet hatte.

Er hatte das Gespräch beendet! Sie hatte diese eine Chance gehabt und sie verspielt. Kraftlos sank sie auf ihr Bett. Sie vergrub ihr Gesicht in ihr Kissen, aber es kamen keine Tränen. Ihr Leben war kaputt. Auch wenn sie Jennys Tat umkehren konnte, sie würde vor Trümmern stehen. Was hatte Jenny noch in ihrem Leben zerstört? War das relevant? David war weg, wird weg sein. Jenny war Schuld. Jenny gehörte eingesperrt. Sie gehörte hier her! Nicht sie selbst! Nicht Jules! Jenny quälte sie und David. Jenny! Jenny! Jenny! Jenny… sie wird dafür bezahlen.

Die Wut gab Jules neue Kraft. Jules setzte sich auf und fing an zu Tippen: „David, die Person welche mit dir Schluss gemacht hat, ist nicht Jules. Sie heisst Jenny. Irgendwie konnte sie den Körper mit mir tauschen. Ich bin jetzt an Jennys Stelle in einer psychiatrischen Anstalt eingesperrt. Ich weiss, dass dies jenseits vom Glaubhaftem ist, aber denk darüber nach… Wie hatte sie Schluss gemacht? Wie waren ihren Bewegungen? Ihre Worte? Passten diese zu der Jules die du zu kennen glaubst?“

Als Jules die Nachricht sendete, glaubte sie nicht, dass diese überhaupt ankommen würde. Wahrscheinlich hatte David sie bereits blockiert. Aber wenn nicht… dann würde er ihr noch immer nicht glauben.

Es vergingen einige Tage, Jules lebte ihr Leben in der Anstalt weiter. Es war ein tristes Leben. Als ihre Wut verflogen war, verliess sie wieder alle Kraft. Dieses Mal endgültig. Sie hatte keine Hoffnung, dass irgendwas besser werden würde. Sie konnte nicht in ihr Leben zurück. Es war zu spät. Jenny hatte auch dieses ruiniert. Jules konnte sich Abends kaum an den Tag erinnern. Sie stand auf, ass, erledigte ihre Aufgaben, malte im Kunstraum, ging zur Therapie und wieder schlafen. Aber im Wesentlichen versuchte sie nicht aufzufallen und anderen aus dem Weg zu gehen.

An diesem Abend kam sie vom Essen zurück in ihr Zimmer. Sie kontrollierte wie gewöhnlich ihr Handy. Erstaunt stellte sie fest, dass sie eine Nachricht von David erhalten hatte. David hatte ihr geschrieben. Sie konnte es kaum glauben. Gespannt öffnete sie die Nachricht und las sie: „Ich glaube dir!“

Er glaubte ihr? Warum? Was hatte sich geändert? Jules konnte es nicht glauben, dass er ihr einfach so glaubte. Sie hatte Angst, wieder zu viel Hoffnung zu haben und danach enttäuscht zu werden: Daher musste sie einfach fragen: „Warum?“

Ungeduldig wartete Jules auf die Antwort. Sie klopfte mit den Finger auf den Tisch. Nach einigen Minuten kam eine neue Nachricht an: „Ich habe Jules im Park gesehen und sie von Weitem mit Jenny angesprochen. Sie drehte den Kopf und schaute mich an. Als sie realisierte was passiert war, wurde sie wütend und fragte was das soll. Ich glaube dir, sie ist nicht Jules. Sie verhält sich anders, sie trägt andere Kleider, spricht anders, sogar ihr Gang ist anders.“

Jules wollte am liebsten aus ihrem Zimmer rennen und jeden im Flur umarmen. Er glaubte ihr! David glaubte ihr und sie war nicht verrückt. Sie gehörte nicht hierher. Jetzt musste sie nur noch hier rauskommen: „Hilfst du mir hier raus zu kommen?“

„Wenn ich kann…“ Es dauerte einen Moment dann kam eine neue Nachricht von David: „Ich kann ein gutes Wort für dich einlegen, vielleicht lassen sie dich dann raus.“

„Nein! Ich will nicht nur hier raus, ich will mein Leben zurück.“ Auch wenn Jules zuerst Jennys Scherben wegräumen musste, sie wollte ihr Leben zurück. Ihre Familie und ihre Freunde.

Innert wenigen Sekunden kam Davids Antwort an: „Wie?“

„Wenn Jenny mit mir den Körper tauschen konnte, dann kann ich das sicher umkehren. Wir müssen nur rausfinden wie. Kannst du einige Informationen zusammensuchen? Ich befürchte, ich werde überwacht. Ich möchte nicht, dass sie mir mein Handy wegnehmen.“

„Ich tue was ich kann!“

„Danke! Tausendfach!“ Eine unglaubliche Wärme brannte in Jules Brust. Sie war nicht mehr allein. David würde ihr helfen.

„Du bist wirklich Jules, oder?“

„Ja, David! Ich bin es…“

„Ich melde mich sobald ich etwas habe, oder spätestens morgen Abend.“

„Danke!“

Am kommenden Abend wartete Jules ungeduldig auf Davids Nachricht. Würde er sich melden? Oder nicht? Sollte sie sich melden? Sie hatte schon mehrfach die Nummer gewählt, aber immer im letzten Moment gekniffen.

Resigniert lehnte sie sich im Bett zurück und griff nach einem von Jennys Büchern.

Jules vertiefte sich gerade in das Thema Astralreisen, als ihr Telefon klingelte. Aufgeregt nahm sie ab: „Ja?“

„Hy… J..“ Jules glaubte, dass David ihren Namen sagen wollte, aber er brachte es nicht ganz über seine Lippen. Jules nahm an, dass die Situation zu verwirrend war.

„Hy“, antwortete Jules.

David antwortete mit dumpfer Stimme: „Ich hatte Besuch von Jenny!“

Alarmiert setzte sich Jules auf und fragte besorgt: „Wirklich? Warum? Was wollte sie?“ Würde Jenny alles wieder kaputt machen?

„Sie wollte wissen warum ich sie Jenny genannt habe“, antwortete David.

„Was hast du gesagt? Bitte lass dir nicht alles aus der Nase ziehen.“ Jules ging nervös im Zimmer hin und her. Das durfte nicht wahr sein. War David in Gefahr? Am liebsten wäre sie direkt zu ihm gerannt.

„Ich habe behauptet, dass ich sie nicht Jenny genannt habe, sondern Jules. Dass sie sich verhört haben musste. Und dann habe ich zurückgefragt, warum sie das fragte…“

Besorgt fragte Jules: „Hat sie dir geglaubt?“

„Ich weiss es nicht“, antwortete David.

„Pass auf dich auf, ich glaub Jenny könnte gefährlich sein“, warnte Jules ihn. Jules hoffte inständig, dass er sich von Jenny fernhalten würde.

„Sie ist doch nur eine halbe Portion!“, lachte David ihre Warnung weg.

„Sie konnte mit mir den Körper tauschen, überlege wozu sie noch fähig ist…?“

David schwieg.

„Bitte pass auf dich auf“, bat Jules erneut.

„Ja, ja. Willst du jetzt wissen was ich habe?“

„Ja.“




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