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  • AutorenbildSamarraLeFay

Der Imp - Teil 1

Schlurfend betrat Londri seinen Schlafraum. Das Essen im Gemeinschaftsraum war wie immer karg und trocken gewesen. Nach einem langen Arbeitstag im Schmiedkessel hätte er sich lieber einen saftigen Braten in der Taverne gegönnt. Aber das lag mit seinem Einkommen nicht drin. Früher einmal … Ja, da konnte er sich sowas jeden Tag leisten. Als königlicher Erfinder, da hatte er sich unzählige Schlemmereien gönnen können. Das war einmal gewesen.

„Du hast lange auf dich warten lassen.“

Londri gab einen quietschenden Schrei von sich und griff nach seiner Schaufel. „Wer ist da?“

„So mach doch die Augen auf.“

Londri sah auf seinem Bett einen Wicht sitzen, gerade Mal so groß wie sein Unterarm. Fledermausflügel spreizten sich zur Seite ab und kleine Hörner verunstalteten seine Kopfform. Zwischen seinen Lippen blitzten Vampireckzähne auf.

„Wie kommt ein Imp in meine Räume?“ Londri schwang seine Schaufel. „Verschwinde, du Ungeziefer.“ Er schlug nach dem geflügelten Vieh, doch der Wicht war zu schnell. Mit einem Seufzen landete er auf Londris selbstentwickelter Eier-Öffnungs-Maschine. Scharf sog Londri die Luft ein und presste hervor: „Achtung, die ist höchst sensibel.“

„Dann würde ich nicht mit der Schaufel danach schlagen“, kicherte der Imp.

Londri wich rückwärts zur Tür.


„Hey... schön hiergeblieben. Wir müssen reden.“

„Ich muss verrückt geworden sein. Worüber soll ich schon mit einem Imp reden?“

„Das weißt du doch besser als ich.“

Londri schüttelte den Kopf. „Ich weiss gar nichts. Ich bin müde.“

„Bist du nicht Londri, der unübertroffene Erfinder?“

„Das war ich einmal. Jetzt bin ich ein Schmiedkesselarbeiter.“

„Paperlapapp. Du bist was du warst.“

„Soll ich etwas für dich erfinden?“

„Nein. Du sollst etwas für mich bauen.“

„Bauen, was denn?“

„Kannst du dir das nicht denken?“

„Eine Bombe. Wie ...“, kreischte Londri.

„Psst. nicht so laut. Aber ja, eine Bombe. Aber in groß“, flüsterte der Imp.

„Wofür?“

Der Imp schaute ihn lange an.

„Du willst den Schmiedkessel in die Luft jagen“, schlussfolgerte Londri.

Der Imp hob abwehrend die Hände nach oben. „Ich? Nein, so etwas würde ich niemals machen.“

Londri zupfte an seinem Schnurrbart. „Für den Schmiedkessel würden wir eine richtige Bombe benötigen. Er besteht vollkommen aus gehärtetem Stahl, überzogen mit Elektron. Das lässt sich nicht so einfach in die Luft jagen. Etwas derartiges zu bauen, insbesondere mit meinen bescheidenen Möglichkeiten und ohne dass es jemand merkt, wäre ein echtes Kunststück.“

„Das könnte niemand zustande bringen. Außer dir“

„Aber woher bekomme ich genügend Material?“

„Ich bin überzeugt, du findest einen Weg.“

Londri zwirbelte seine Barthaare. „Darüber muss ich erst mal eine Nacht schlafen.“

„Tu das.“ Der Imp setzte sich auf den Türrahmen.

„Wie, du bleibst hier?“

„Wo soll ich denn hingehen?“

„Ich weiss nicht, dorthin wo du hergekommen bist?“

Der Imp schloss die Augen und summte eine Melodie. Seine Beine schwangen im Takt. Londri seufzte ergeben und kroch in sein Bett.




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