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  • AutorenbildSamarraLeFay

Das Geheimnis des Schnees - Teil 3

„Mächtig?“

„Meine Art könnte unter normalen Umständen nie durch die Kälte reisen, die der Schnee mit sich bringt. Wir würden erstarren und uns erst, wenn die Sonne uns wieder wärmt, weiter bewegen können.“

„Und wie bist du denn hierher gekommen?“

„Ich habe ein Feuer, das mich von innen her wärmt. Es wärmt mich sogar so sehr, dass ich die Hitze meiner Heimat als belastend empfinde. Der Schnee ist die reinste Wohltat.“

Kimtzi leerte die Hälfte seines Biers in einem Zug.

„Wurde dir nie das Potenzial des Schnees bewusst? Wie mächtig der Schnee als Waffe sein könnte? Man könnte damit ganze Städte von Echsenwesen auslöschen.“

„Daher weht der Wind“, brummte Rindur. „Du willst dich an deiner Art rächen. Haben sie ebenso schnell durchschaut was für eine erbärmliche Kreatur du bist wie ich?“

Janis verschluckte sich. „Rächen?“ Er schüttelte den Kopf. „Mein Zuhause ist von jeher im Krieg mit einer anderen Stadt. Alles Echsenwesen.“

„Also willst du die andere Stadt mit Schnee auslöschen?“

Janis schluckte. Ja! Elende Schweine. Sie hätten Schlimmeres verdient. „Nein, ich würde einen Wall aus Schnee machen. Damit wir uns nicht mehr gegenseitig schaden können.

„Alle außer du und deinem inneren Feuer.“

„Alle außer ich.“ Janis war inzwischen am Boden seines Kruges angekommen. Er war stolz auf sich. Sogar ich würde diese Lüge glauben, wenn ich es nicht besser wüsste.

„Auch wenn ich dir glauben würde, es gibt kein Geheimnis des Schnees.“

Janis schwieg. Er lügt! Ich würde es genau gleich machen. So ein Geheimnis ist zu wertvoll. Und wenn alle glaubten, es gäbe keines, konnte man es nicht stehlen. Das ist typisch für die Gerissenheit der Zwerge.

„Nochmals zwei Bier“ Kimtzi hob die entsprechende Zahl an Finger.

Rindur stellte ohne die Bezahlung abzuwarten zwei Krüge auf den Tisch.

„Janis, du bist bestimmt kein Bier ohne Schaum, aber deine Quest ist so töricht wie eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz beisst. Er nippte an seinem Bier. „Manche Dinge sind einfach so, wie sie sind.“

„Du irrst dich“ Janis zeigte seine Zähne. „Wenn man sich mit dem Gegebenen zufrieden gibt, wird man nie Großes erreichen. Ich könnte einen Zwerg so groß machen wie einen Riesen. Wenn das dein Wunsch ist, musst du mir nur das Geheimnis des Schnees verraten.“

Ein Zwerg kam schwankend auf beide zu. „Ich habe ein Geheimnis für dich“, lallte er. „Der Schnee kommt im Winter und schmilzt im Frühling.“

Der ganze Schankraum lachte. Der Zwerg nahm ein neues Bier in Empfang und torkelte zurück zu seinem Platz.

„Wie lange ist es noch bis zum Frühling?

„Drei Vollmonde.“

„Rindur, wieviel kostet ein Zimmer bis zum Frühling?“

Rindur klappte seinen Mund auf und wieder zu. Janis legte einen Stein, der das Licht in alle Farben zerstreute, auf den Tresen. Dieser war mehrere hundert Goldmünzen wert.

„Der gehört dir, wenn ich bis zum Frühling Kost und Logie bekomme.“

Rindur nickte, packte eilig den Stein ein und blickte sich argwöhnisch im Schankraum um.

„Was hast du vor?“, fragte Kimtzi

„Ich bin zum Schluss gekommen, dass ihr vielleicht das Geheimnis des Schnees selber nicht kennt. Dies schließt aber nicht aus, dass ich es nicht doch ergründen kann. Apropos, wo bleibt eigentlich das bezahlte Abendbrot?“ Janis schaute Rindur an.

„Schau bloß zu, dass du nicht unter dem Schnee begraben wirst.“ Kimtzi prostete ihm zum Abschied zu und ging zurück zu seinen Freunden.






















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