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  • AutorenbildSamarraLeFay

Das Geheimnis des Schnees - Teil 2

Alle in der Taverne blickten zu Janis. Einige schüttelten ungläubig ihre Köpfe, andere hatten Lachfalten in den Augen und ein paar wenige wirkten empört.

„Nichts passiert, der Krug ist noch ganz.“ Eilig stellte er den Behälter auf den Tresen.

Der Wirt schaute auf den leeren Krug und drückte Janis einen Wischmopp in die Hand.

„Ich? ... Ich soll ...“ Unerhört! Er ließ seinen Satz unbeendet im Raum hängen und gab ein ergebenes Seufzen von sich. „Noch ein Bier.” Er kramte das Gold hervor und legte es ohne hinzusehen auf den Tresen. Halbherzig wischte er den Boden, bis sein neues Bier kam.. Dafür sollte ich dich eigentlich in eine Kröte verwandeln.

„Du wirst das Bierrezept nicht bekommen. Unser guter Rindur“, Kimtzis zeigte auf den Zwerg hinter dem Tresen, „hütet es, wie ein Drache seinen Schatz. Zudem mag er dich nicht besonders.“

„Wirklich? Ich hatte gehofft, er grunzt alle so an.“

„Das schon, aber bei den anderen berechnet er nicht den dreifachen Preis.“

Rindur schnalzte mit der Zunge.

„Tschuldigung“, nuschelte Kimtzis und nahm einen Schluck von seinem Bier. Schaum blieb ihm im Bart hängen.

Janis zuckte mit den Schultern. Wusste ich es doch!

„Tut mir leid, dass du umsonst den weiten Weg hierher gemacht hast.“

„Habe ich nicht. Ich bin nicht wegen des Biers hier. Auch wenn es köstlich ist, unbestreitbar.“

„Bist du nicht?“

Rindur hielt beim Abtrocknen inne.

„Nein, ich bin wegen des Schnees hier.“

„Schnee?“

„Ich muss das Geheimnis des Schnees erfahren.“

„Der Schnee hat ebenso wenig ein Geheimnis wie die Wolken im Himmel.“

„Wie macht ihr ihn?“

„Machen?“

„Ja.“

„Schnee ist nicht unser Geheimnis sondern unsere Last. Wegen des Schnees wachsen unsere Ernten nicht. Wir müssen hungern, können kaum Bier brauen.“

„Aber wegen des Schnees werdet ihr kaum angegriffen.“

Kimtzis verschluckte sich. „Wir werden kaum angegriffen, weil wir mächtige Krieger sind. Zwergenkrieger!“

„Bist du sicher?“ Janis schaute sich in der Taverne um. Von einem Bierbauch zum anderen.

Rindurs „Mhm“ ließ Janis zusammen fahren. In der Befürchtung, er müsste bald den vierfachen Preis zahlen, fügte er eilig hinzu: „Meine Augen müssen bereits müde von der weiten Wanderung und mein Verstand vernebelt sein.“

Rindur schien diese Floskel zu beruhigen. Kimtzi zog seine buschigen Augenbrauen nach oben. Wie zwei Raupen zuckten sie.

„Ist euch bewusst wie mächtig dieser Schnee ist?“




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