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  • AutorenbildSamarraLeFay

Das Buch - Teil 3

Edvard öffnete die Augen. Er hatte eine ganze Nacht durchgeschlafen. Verwundert rieb er sich übers Gesicht. Dimitri und Loren lagen noch immer in ihren Lagern. Das Feuer war heruntergebrannt. „Ella?“, keuchte Edvard und war sofort auf den Beinen.

Er trat Dimitri mit dem Fuß und rüttelte sanft an Lorens Schulter. Nur ein Mal in seinem Leben hatte er den Fehler gemacht, Loren unsanft zu wecken. Das Resultat waren eine gebrochene Nase und zwei gestauchte Finger gewesen.

„Was ist?“, ächtze Dimitri.

„Ella ist weg?“

„Wie, weg?“ Loren stand bereits und legte ihre Rüstung an.

„Ella wollte die erste Wache halten ...“

„Moment ...“ Loren hob die Hand. „Hat sie niemanden geweckt?“

„Nein, das wollte ich eben sagen.“

Dimitri pfiff durch die Zähne. Ein Spatz landete auf seinem Handrücken.

„Was machst du?“, fragte Edvard. „Jetzt ist nicht die Zeit, mit deinen Tieren zu spielen.“

Dimitri hob die Hand. „Ich habe einen neuen Trick gelernt.“

„Mit Vögeln zu sprechen?“

„Sie weiß, wo Ella ist.“

„Sie?“ Loren runzelte die Stirn.

Dimitri schnalzte mit der Zunge. „Ja, sie. Ihr Name ist Tinzel.“

Edvard seufzte. „Druiden.“ Ungläubig schüttelte er den Kopf. „Wo ist Ella?“

Der Spatz flog davon und Dimitri sprintete hinterher.

„Ella!“, rief Dimitri aus.

Ella blickte verwundert hoch. „Ist etwas passiert?“ Ihr Gesicht schimmerte wie eine Porzellanpuppe im Schein der magischen Leuchte..

Loren machte einen Schritt auf sie zu. „Bist du die ganze Nacht hier gesessen und hast gelesen?“

Ella schaute zum Himmel. „Oh, die Sonne ist bereits aufgegangen. Entschuldige, ich wollte bereits bei euch sein.“

Edvard kniete sich zu ihr herunter und legte seine Hand auf das Buch.

Ella zog es eilig weg. „Fass es bitte nicht an.“

„Was stimmt denn nicht mit dir?“ Loren verschränkte die Arme vor der Brust.

„Nichts. Ich habe nur ...“

„… deine Pflichten vernachlässigt. Du hast uns im Stich gelassen. Es hätte alles Mögliche in dieser Nacht passieren können“, knurrte Dimitri.

„Ist ja gut“, schrie Ella und alle zuckten zusammen. „Ich habe etwas falsch gemacht. Können wir jetzt aufhören auf mir rumzuhacken?“ Ella stand auf und stampfte zurück zum Lager. Eilig packte sie ihre Sachen zusammen und wartete. Gerne hätte sie die Zeit bis zum Aufbruch mit Lesen verbracht, aber sie wollte den anderen nicht noch einen Vorwand geben.

„Ella?“ Edvard stand urplötzlich vor ihr.

„Mhm.“

„Geht es dir gut?“

„Wieso fragst du?“

Edvard strich ihr über die Schulter. Seine Hand wanderte zu ihrem Kinn, hob es an und zwang sie, ihn anzusehen. „Das alles sieht dir nicht ähnlich. Deine Pflichten vernachlässigen, rumschreien anstatt dich zu entschuldigen. Du warst immer die Vernünftigste von uns allen.“

„Vielleicht bin ich es leid, immer das zu machen, was ihr von mir wollt“, zischte sie. „Einmal mache ich etwas, das euch nicht passt, und dann werde ich gleich verurteilt. Wie war es damals, als du die Tochter des Bürgermeisters verführt hast? Oder als Loren einen der altehrwürdigen Zwerge zum Duell gefordert hat? Oder Dimitri für mehrere Monate im Wald leben wollte?“

„Im Wald zu leben ist nicht falsch.“, rief Dimitri herüber.

Edvards Schulter sackten nach unten. „Was steht drin?“

„Wo?“

„Im Buch.“

„Seine Geschichte.“

Er schaute sie irritiert an.

„Was?“

„Hattest du schon immer eine weiße Strähne im Haar?“

„Ich ... Nein.“ Ella zog sich ein Büschel Haare vor die Augen. Nichts! Sie nahm eine weitere und betrachtete eine nach der anderen. Da! Vier Fingerbreit, war eine ganze Strähne weiß. „Das kann schon mal passieren.“

„Wenn du es sagst.“ Edvards schürzte die Lippen. Ein untrügliches Zeichen, dass er mit seiner Selbstbeherrschung kämpfte. „Komm, wir brechen auf.“


Fortsetzung folgt …




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