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  • AutorenbildSamarraLeFay

Artgerecht - Teil 2

Rija drückte seinen Kopf gegen die Käfigstäbe. Es war besser als der Beutel, in dem er kaum Luft bekommen hatte. Der Unhold hatte ihn in diesen Käfig gesteckt und ihn an einem Haken aufgehängt. Nun starrte ihn bereits stundenlang die Miniaturausgabe dieses Unholds an. Im Bestreben, keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, kauerte er sich auf den Käfigboden und versuchte, sich so klein wie möglich zu machen. Er war froh, als sie endlich den Raum verließ. Er stand auf und versuchte, seine versteiften Glieder mit Bewegung zu mobilisieren. Es gab keine Möglichkeit, die Flügel zu spannen, geschweige denn, eine Runde zu fliegen. Sein Bauch rumorte, aber er konnte sich nicht überwinden, den Brei vor sich zu essen. Wussten diese Monster denn nicht, dass Pixies von tierischer Nahrung krank wurden? Er begnügte sich mit einem Schluck modrigem Wasser. Nichts im Vergleich zum frischen Morgentau, den er noch nicht einmal vor einem Tag von den Blättern geschlürft hatte. Der Gestank seiner Notdurft biss ihm in der Nase. In seinem runden Käfig, dessen Stäbe nach oben zusammenliefen, war jeder Platz so wie der andere. Der einzige Unterschied war der Dreck.

Er betrachtete die Vorrichtung, an der sein Käfig befestigt war. Er hing an einem Haken, der wiederum zu einer Art Ast gehörte, der eine Pixie-Länge aus der Wand ragte. Wenn er sein Gefängnis zum Schwingen brachte, würde es vielleicht zu Boden fallen und kaputt gehen. Eilig sprang er von Seite zu Seite gegen die Stäbe. Sein Gefängnis fing an zu schwanken. Zuerst nur leicht, aber Rija gab nicht auf. Die Schale mit dem Essen rutschte über die Kante und fiel scheppernd zu Boden. Angespornt rannte er weiter gegen die Stäbe. Seine Notdurft schlitterte ebenfalls und landete an der Wand. In Zeitlupe glitt sie zu Boden und hinterließ braune Spuren.

Er schwang beherzter. Der Haken, an dem der Käfig hing, quietschte.

Die Tür wurde aufgerissen und seine Peinigern kamen in den Raum gestürzt. Der Große bellte unverständliche Worte und zeigte auf die Wand. Die Kleine schlug erschrocken die Hände vor dem Mund.

Mit zwei Schritten war der Große vor seinem Käfig. Er hob diesen an und schaute Rija direkt in die Augen. „Lass mich frei“, flehte Rija.

Der Große bellte wieder. Sein stinkender Atem traf ihn wie ein Keulenschlag. Rija kroch auf dem Boden so weit weg, wie er konnte.



„Was war das für ein Geräusch?“, schmatzte Leif zwischen zwei Bissen.

Linfa zuckte mit den Schultern. „Vielleicht der Wind draußen.“

Wieder ein Scheppern.

Leif warf den Löffel in die Schüssel und stürmte in Linfas Zimmer. Linfa eilte hinter ihm her. „Dieser Wicht“, schnauzte Leif und zeigte auf die Unordnung, die er angerichtet hatte.

„Ihhhh ...“, quiekte Linfa. „Was ist das?“

„Sein Mist. Du machst das heute noch sauber.“ Leif stampfte zum Käfig. „Und wenn das noch einmal geschieht, dann entsorge ich ihn und suche dir einen anderen.

Linfa kullerten Tränen übers Gesicht. „Nein, es wird nicht wieder vorkommen. Ich werde dafür sorgen, dass Pixy bei mir bleibt.“

Ihr Vater verließ ihr Zimmer und warf die Tür ins Schloss.

„Was mach ich nur mit dir?“ Linfa ging zum Käfig, griff hinein und fing ihn mit ihrer Hand. „Entschuldige, das wird dir jetzt nicht gefallen, aber du musst das lernen.“ Sie drückte Pixy mit dem Gesicht in seinen Haufen und schimpfte: „Pfui, Pfui, Pfui!“ Danach setzte sie ihn wieder in seinen Käfig und ging sich die Hände waschen. Sie kam mit einem Lappen zurück, beseitigte die Sauerei und öffnete das Fenster.

Beim Putzen sprach sie auf Pixy ein. „Irgendwann wirst du verstehen. Ich weiß, dies war keine einfache Lektion. Aber ich kann nicht zulassen, dass mein Vater dich wieder im dunklen Wald aussetzt. Ich werde alles dafür tun, dass du so lange wie möglich bei mir bleiben kannst. Versprochen.“ Linfa stand mit Tränen in den Augen vor dem Käfig. „Mein Pixy.“


Fortsetzung folgt




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