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  • AutorenbildSamarraLeFay

Artgerecht - Teil 1

„Zipfi, Zipfi, Fidibus.“ Rija tanzte fliegend um seinen Lieblingspilz. Er sang aus voller Lunge und übertönte das Balzgezirpe der Grillen. Heute war ein erfreulicher Tag, denn sein Pilz hatte endlich Sporen gebildet. Bald würde er diese im Wald verstäuben. „Zipfi Zipf!“, fiepte Rija erneut. Quietschend ließ er sich aufs Moos fallen, das seinen Sturz wie ein gespanntes Blatt abfederte.

Glückselig blieb er liegen und beobachtete die Blätter im Wind. Diese Dinge machten das Leben lebenswert. Er schloss die Augen und genoss seine Euphorie.

Ein Rascheln im Laub ließ ihn zusammenzucken. In einem Satz stieß er sich in die Luft, flog zur Baumkrone und landete auf einem Ast. Er schimpfte innerlich mit sich, wußte er doch, wie gefährlich es war, auf dem Boden zu liegen. Nur allzu schnell schlich sich ein Fuchs an und dann war es um ihn geschehen. Mit bebendem Herz beobachtete er die mit Moos gepolsterte Fläche. Kein Fuchs, sondern eine Kakerlake kämpfte sich durch den Untergrund. Ihre langen Fühler tasteten auf der Suche nach Futter die Umgebung ab.

Fehlalarm.

Rija ließ sich vom Ast fallen, breitete seine Flügel aus und raste im Sturzflug auf die Kakerlake zu. Im letzten Moment drehte er ab. Die Kakerlake zischte und stürzte zur Seite. Ihre Fühler schwangen durch den Windstoß hin und her. Lachend flog Rija den Stamm entlang Richtung Himmel.

Zeit, nach Hause zu fliegen. Er warf einen Blick zurück zu seinem Pilz. Morgen würde er gesport haben. Er freute sich schon auf eine neue Generation seiner Pilze und darauf, zu sehen, wo sie wachsen würden.


„Hab ich dich!“ Leif grinste über beide Backen, endlich konnte er den Wunsch seiner Tochter erfüllen. In Windeseile knotete er den Kescher zu, stopfte ihn in einen Beutel und legte diesen in eine Box. Doppelt hielt besser. Nicht, dass dieses Biest wieder entkam. „Gewitzt sind diese Pixies. Und sie haben scharfe Klauen und Zähne, mit denen sie sich durch die Maschen beißen können“, murmelte er vor sich hin. Pfeifend lud er die Box auf seinen Karren und machte sich auf den Nachhauseweg. Heute war ein guter Tag. Er stampfte durch den Wald und dem Abendrot entgegen.



„Papa!“ Seine Tochter Linfa rannte auf ihn zu.

„Hoho, mein kleiner Donner.“ Er hob seine Tochter auf einen Arm und zog mit dem anderen den Karren.

„Warst du auf dem Markt erfolgreich?“

„Jawohl. Ich habe alle Wolle, die deine Mutter gesponnen hat, verkauft.“

„Hast du mir etwas gekauft?“, jauchzte Linfa

„Ein paar neue Schuhe.“

Sie zog eine Schnute.

Leif sog hörbar Luft in die Nase. „Kocht Mama wieder ihren Eintopf?“

Mit vor Stolz geschwellter Brust sagte sie: „Ich habe heute ein Eichhörnchen erledigt.“

„Eichhörncheneintopf. Klingt lecker.“

Die Tür zu seinem Haus öffnete sich und seine Frau kam in ihrer blauen Kochschürze und einem grünen Kopftuch vor die

Tür gewatschelt.


Fortsetzung folgt




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